Anna Jäger (1899-1981)

Historischer Gast bei DIE SÜDLICHE 2018 - Die Jahresausstellung der bildenden Künstler des Landkreises Oberallgäu vom 14. Oktober - 18. November 2018 im Kunsthaus Villa Jauss
Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag, 15 - 18 Uhr
Samstag - Sonntag, 11 - 18 Uhr
Ausgebildet als Schneiderin, aber dann kunstgewerbliche und künstlerische Ausbildung in München. Im Alter von 36 Jahren kehrte Anna Jäger 1935 in ihr geliebtes Oberstdorf zurück. Für sie sicher keine gute Entscheidung, denn ihr moderner, groß-zügiger Malstil stieß damals auf wenig Verständnis. Um Ihren Bekanntheitsgrad auszubauen, fehlte das Umfeld für größere Arbeiten und Aufträge. Ihre Maltechniken waren vielschichtig: Kohlezeichnungen, Aquarelle, Öl-farben, am liebsten aber Tempera, mit dem Mörser selbst hergestellte Naturfarben aus Mineralien, welche nach einem Überzug mit Firnis große Leuchtkraft und Intensität erhielten. So wird es Zeit, dieser Oberstdorfer Künstlerin zu gedenken!
Als zweites der 4 Kinder von Martin und Barbara Jäger („Geagl“), die in der Freibergstraße in Oberstdorf eine kleine Landwirtschaft und Fremdenzimmervermietung betrieben, wurde Anna Jäger am 17. 4.1899 geboren. Sie lernte als Schneiderin und wurde 1924 bei den Klosterschwestern des Städt. Seminars Augsburg Handarbeitslehrerin mit einem „hervorragenden“ Abschluss. Sie wollte ins Kloster gehen, aber ein Arzt riet ihr wegen ihrer schwächlichen Konstitution ab.
Von 1925 – 1930 studierte sie an der Kunstgewerbeschule München bei Prof. Franz Klemmer Freskomalerei, Batik, Mosaik, Glasmalerei, Paramentik. Ein Studium an der Kunstakademie München schloss sich 1931 bis 1935 an. Statt an einer Augsburger Kunstschule Lehrerin zu werden, zog sie heim nach Oberstdorf, wo ihr Malstil auf wenig Verständnis stieß. Sie malte die Berge - Höfats, Trettach etc., Blumen, Portraits und häufig religiöse Motive. 1953 eckte sie an, als sie für das Grab ihres Schwagers einen bartlosen Christus schuf. Sie arbeitete in vielen Techniken: Öl, Aquarell, Kohle, Tempera, Batik auf Seide, Papier und Pergament. Von ihren Holz- und Linolschnitten sind nur noch wenige vorhanden. Sie machte Mosaiken mit aus Trettach, Stillach und Breitach gesammelten Steinen, und Stick- und Handarbeiten, z.B. für Mieder und Hosenträger. Ihr Muttergottesgewand für St. Loretto ist heute im Oberstdorfer Heimatmuseum. Mit Wilhelm Math und Fanny Seeweg arbeitete sie an der Rekonstruktion der Oberstdorfer Tracht. Mit 50 Jahren begann ein Rheumaleiden. Im vorgerückten Alter verdiente sie ihren Unterhalt mit Hinterglasmalereien nach eigenen oder historischen Vorlagen.
Am 1.Juli 1981 starb sie, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. Anna Jäger war eine bescheiden, geradezu asketisch lebende Künstlerin, heiter, gütig und sehr fromm.